Reisen mit „leichter” Lektüre

Auf Reisen gibt es nichts Besseres als einen E-Book-Reader. Meine ganze Bibliothek wiegt dann nur 168 Gramm. Und Gewicht ist unterwegs nun mal ein gewichtiges Argument. Ich sitze im Intercity „Theodor Storm”, der die Nordseeküste mit dem Süden verbindet, und schaue mich um. Gibt es außer meinem noch einen anderen Reader in diesem Wagon?

Der Mann schräg gegenüber (groß, vollbärtig, mittelalt) liest das Taschenbuch „Oma ihr klein Häuschen”. Eine ältere Dame hat das Bahn-Journal auf dem Schoß. Eine andere – ebenfalls ältere – Dame liest in einem kleinen Büchlein. Ich sehe aus dem Augenwinkel die Kapitelüberschrift „Das Friesenmuseum”. Vielleicht ein Touristenführer von der Insel, auf der sie gerade Urlaub gemacht hat. Dann gibt es noch die Frau mit der Zeitschrift „Zeit für mich”, die auf der Titelseite Schönheits- und Kochtipps verspricht. Ein Teenager/m liest einen Heftchenroman. Eine Frau in den besten Jahren (also so alt wie ich) arbeitet ein Lehrbuch durch und schreibt eifrig. Eine junge Frau liest in einem Taschenbuch. Ein junges Pärchen – könnten Studenten sein  sind auch beide jeweils in ein Buch vertieft. Da,  ein anderes Pärchen beugt sich gemeinsam über einen Laptop und ein alleinreisender junger Mann hat sein Notebook aufgeklappt. Diese drei könnten eventuell auch ihre E-Book-Bibliothek dabei haben. Aber was die dann lesen, bleibt mir natürlich ein Geheimnis.

Ich merke gerade, dass das mit dem geplanten Loblied auf das E-Book irgendwie nichts wird. Ist ja viel spannender, zu sehen, was meine Mitreisenden so alles an gedruckter Lektüre auspacken. Der Mann mit der Oma ihrem klein Häuschen hat gerade mit „Uschi” ziemlich lange (und laut) telefoniert und besprochen, wie man das mit der Betreuung der Mutter regeln könnte. (Meine Phantasie geht gerade mit mir durch.)

Übrigens, das restliche Dutzend Reisende in meinem Wagon liest gar nichts. Einige dösen vor sich hin (wir haben gerade mal 14 Uhr!) und andere gucken aus dem Fenster oder unterhalten sich. Ich lege jetzt auch mal den Reader aus der Hand und träume mich ein bisschen in die vorbeifliegende Landschaft hinein.

18. September 2012 von Sigrid Pomaska
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