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Gedanken zum "Heiligen Geist"

"Die Ruach"

Am Pfingstfest wird sie gefeiert, sie, die Ruach… und ist doch quasi inkognito dort … Wenn sie überhaupt Lust hat mitzufeiern, denn sie weht nur, wo sie will … Sie, ja, die Geistin, mir die liebste von der göttlichen Dreifaltigkeit. Von Anfang an war sie da, schöpferisch, schwebend… "Die Erde war noch wüst und leer, Finsternis lag über der Tiefe. Und nur die Ruach Gottes schwebte über den Wassern …" Die Ruach, die Geistin Gottes, weiblich in der Hebräischen Ur-Sprache, Windhauch, Atem Gottes, sein weibliches Selbst …

Und da schwebt sie über den Urwassern… wie in selbstvergessenem Tanz sehe ich sie vor mir … über der grauen Ursuppe und träumt von einer Welt der Farben, träumt von Sternen und Planeten, die den Himmel zum Strahlen bringen, sie träumt von Land und Meer und Stränden, von fruchtbarer Erde, von Blumen und Bäumen, von Fischen und Vögeln, sie träumt von wilden und von sanften Tieren und von Männern und Frauen, die sich gegenseitig anziehen und Kinder zeugen in Liebe …
Und ihr Traum ist ein Leben schaffender. Nach und nach gebiert die Ruach so das Universum und die Erde in ihrer Schönheit und Vielfalt …

Mag sein, dass das auch mein Traum ist, mag aber auch sein, dass es ursprünglich so war im Erleben der Menschen. Göttinnen haben für sie den Himmel und die Erde bevölkert. Und die Ruach, die Geistin Gottes, ist der versteckte Rest der Urgöttin in unserer Bibel …
Lang hat "mann" sie nicht belassen in ihrer lebensschaffenden Weiblichkeit …
Dann hat es geheißen: "Verhüll’ deine leuchtenden Kleider! Und leg Dir einen Mantel aus neutralem Grau um!", so die Griechen. "Das Pneuma" ist die Geistin jetzt nur mehr genannt worden, "das Geistige"… Weh tut mir diese Beschneidung der lebensspendenden Geistin, neutral sollte sie jetzt wirken, trocken, körperlos, abstrakt …
Und die Römer haben ihr noch mehr angetan: Sie haben "das Pneuma" noch verwandelt in "den Spiritus Sanctus", den "Heiligen Geist" … Seit damals muss die Heilige Geistin Männerkleider tragen, Anzug und Hut, und untergeordnet wird sie jetzt dem Vater und dem Sohn, kein Wunder, dass sie so niemand mehr sieht …
Wir aber wissen, wie lebendig sie drunter noch ist …

Gabriele Lang-Czedik

evangelische Pfarrerin in Wien-Liesing

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gefunden auf der Internetseite

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